Zwei Wohnblöcke in Magdeburg (Baujahr 1970) boten sich durch ihre gebogen verlaufende Lage besonders gut für einen Rückbau zu Wohnungen mit Eigenheimcharakter an.
Die direkte Anknüpfung an benachbarte Reihen- und Einfamilienhaus-Gebiete gewährleistete außerdem die harmonische städtebauliche Einbindung der Gebäude.
Ziegeldach als gestalterisches Element
Ins Auge fällt die Gestaltung des oberen Geschosses. Hier erfolgte der Rückbau nur teilweise. Dabei wurde die Außenwandplatte zur Straßenseite entfernt und die innere Trennwand zur neuen Fassade umgestaltet. Die Rückstaffelung lockert die Häuser optisch auf. Der Dachbodenraum dient mit einer Fläche von 35 Quadratmetern jetzt als Raumreserve.
Wesentliche Aufgabe der Umgestaltung war neben dem deutlich verbesserten Wohnungsstandard das neue Erscheinungsbild durch gestaltete Dächer. "Um sich vom Plattenbau-Image zu trennen und den angestrebten Reihenhaus-Charakter zu verdeutlichen, entschieden wir uns für Satteldächer", berichtet der Geschäftsführer des für Planung und Bauleitung zuständigen Architekturbüros.
Durch Wechsel der Firstrichtung um 90 Grad bei jedem dritten Haus erreichten die Architekten eine kleingliedrige Dacharchitektur. Um aus städtebaulicher Sicht eine Einbindung in den vorhandenen Stadtteil zu gewährleisten, wählten sie eine relativ flache Dachneigung von 20 Grad und eine besonders glatt aussehende Dacheindeckung.
Neun Ziegel pro Quadratmeter
Der Bauherr wünschte eine dauerhafte und qualitativ hochwertige Eindeckung zu einem möglichst wirtschaftlichen Baupreis. Die Wahl fiel auf den Großflächen-Tondachziegel "Nibra S 9", engobiert – im Farbton "altschwarz".
Der glatte Verschiebeziegel ohne Kopfverfalzung überzeugte Bauherr und Planer sowohl durch seine großen, wirtschaftlichen Abmessungen als auch durch geprüfte bauphysikalische Qualitäten wie hohe Wasserundurchlässigkeit und Frostbeständigkeit. Bei einer Decklänge von 33 bis 40 Zentimetern und einer Deckbreite von 26,8 Zentimetern reichten rund neun Ziegel zur Eindeckung von einem Quadratmeter Dachfläche. Neben der Einsparung von Lattung und Verlegezeit reduzierte das geringe Gewicht von nur 4,3 Kilogramm pro Ziegel die statische Belastung des Dachtragwerks, einer einfachen Nagelbrettbinder-Konstruktion, im Vergleich zu einer normalformatigen Ziegeldeckung.
Verlegung im Verband
Die Dachdeckerfachregeln schreiben in Abhängigkeit der erhöhten Anforderungen und der Regeldachneigung des Ziegels für Ziegeldächer Zusatzmaßnahmen vor. Diese sollen eine ausreichende Regensicherheit gewährleisten. Angesichts der geringen Unterschreitung und ausreichender Höhenüberdeckung des Verschiebeziegels reichte bei der Eindeckung mit dem Nibra S9 eine stoßverklebte Unterspannbahn in der Dachkonstruktion aus. Die abschließende Eindeckung der Dachflächen erfolgte im Verband. Dazu wird in jede parallel zur Traufe verlaufende Ziegelreihe ein halber Ziegel eingedeckt. Der daraus resultierende Versatz der Eindeckung (Verband) erhöht die Sturm- und Regensicherheit.
Insgesamt wurden ca. 2.400 Quadratmeter Dachfläche mit dem Großflächenziegel eingedeckt. Umfangreiches Zubehör aus Formziegeln, wie First-, Ortgangziegel und Walmkappen, erleichterte die Ausführung von Dachdetails und ermöglichte aufgrund spezieller Durchgangsziegel die keramische Lösung von Sanitär-Entlüftungseinrichtungen.
Große Nachfrage
Der Rückbau erwies sich als voller Erfolg. Lange vor Ende der Bauarbeiten konnten alle 44 Häuser vermietet werden. Die Nachfrage war deutlich größer als das Angebot. Auch die Reaktionen der ersten Mieter bestätigten den Bauherrn. "Hier erinnert nichts mehr an die Platte."